Dipl.-Ing. Dagobert Baumann

Kleinkläranlagen kaufen und betreiben

Ein leicht verständlicher Ratgeber der biologischen Grundlagen
und der Anlagenvielfalt.


Diese Anlagen werden mit einer frei schwebenden Biomasse betrieben. Die Mikroorganismen schließen sich zu Schlammflocken zusammen, die je nach Belüftungsverfahren unterschiedliche Größen haben können. Im Gegensatz zu Biofilmen kann der Fachmann über Farbe, Form, Geruch, Menge und Absetzverhalten der Schlammflocken den Zustand der Anlage mit bloßem Auge beurteilen. Die erforderliche Belüftung wird mit einem Luftverdichter erzeugt und über gelochte Membranbelüfter in den Bioreaktor geleitet. Weitere Belüftungsmöglichkeiten bieten Tauchmotor-, Injektor- und Oberflächenbelüfter. Je nach Anlagentyp sind 1 oder 2 Pumpen für den Wassertransport erforderlich. Einige Hersteller verwenden zusätzlich noch Magnetventile. Bei dieser Art der Abwasserreinigung können die Ablaufklassen C (Kohlenstoffabbau), N (Nitrifikation) und D (Denitrifikation) erreicht werden.

Systemmerkmale:
SBR Kläranlagen haben aufgrund ihrer Biomassestruktur eine sehr gute Ausnutzung des Reaktorvolumens im Vergleich zu Biofilmanlagen. Aufgrund der vorgeschriebenen Bemessung des Bioreaktors bei Kleinkläranlagen können diese Anlagen mindestens das Doppelte der Schmutzfracht verarbeiten, für die sie konzipiert sind. Die Belüftung und die mögliche hydraulische Mehrbelastung müssen jedoch auf diese Verhältnisse angepasst werden.

Die Stärke der Belüftung muss so ausgelegt werden, dass sowohl der Sauerstoffbedarf der Mikrorganismen gedeckt wird als auch dauerhafte Schlammablagerungen verhindert werden. Im Gegensatz zu Biofilmanlagen ist die Vermehrungsrate der Mikroorganismen wesentlich größer, so dass die Biomasse sich schneller an unterschiedliche Schmutz-belastungen anpassen kann. Belebungskläranlagen sind in Bezug auf Schlammabtrieb aus der Vorklärung nicht so empfindlich. Aus diesem Grund kann mehr Schlamm als bei Biofilmanlagen in der Vorklärung gelagert werden.

Das SBR-Verfahren ist gegenüber Belebungskläranlagen, die im Durchlaufverfahren arbeiten, unempfindlicher gegen kurzzeitig zufließende größere Wassermengen, da ein Puffervolumen vorhanden ist. Ein zusätzliches Nachklärbecken ist auch nicht erforderlich, da während einer zeitlich begrenzten Phase keine Belüftung erfolgt und der Belebtschlamm sich ungestört absetzen kann. Nach dieser Phase wird ein Teil des gereinigten Wassers aus dem oberen Bereich der Anlage in den Ablauf gepumpt. Nach Beendigung des Abpumpvorgangs wird der frei gewordene Raum im Bioreaktor mit dem vorgereinigten Abwasser aus der Absetzgrube beschickt.

Diese Anlagensysteme lassen sich meist einfach in vorhandene Klärbehälter nachrüsten.

Besonders zu beachten:
Liegt die Einleitungsstelle höher als der Kläranlagenablauf, kann bei Anlagen mit elektrisch betriebenen Pumpen auf einen zusätzlichen Pumpenschacht verzichtet werden.

Funktion, Reinigungsleistung und Energieeinsparung sind weitestgehend von einer intelligenten Software abhängig.

Die Funktion der Anlage ist nur sichergestellt, wenn alle Aggregate funktionstüchtig sind. Die Anzahl der eingebauten Pumpen, Verdichter und Magnetventilen sind hersteller-abhängig. Die Anzahl der elektrischen Aggregate liegt zwischen 2 und 5.

Kontrollen:
Wenn alle Funktionsstörungen über Alarme erkennbar sind, müssen nur die gesetzlich vorgeschriebenen Betreiberkontrollen durchgeführt werden.