Dipl.-Ing. Dagobert Baumann

Kleinkläranlagen kaufen und betreiben

Ein leicht verständlicher Ratgeber der biologischen Grundlagen
und der Anlagenvielfalt.


Der bewachsene Bodenfilter ist das einzige System, das nicht bauaufsichtlich zugelassen sein muss. Es sind jedoch die gültigen Regeln für den Bau solcher Anlagen einzuhalten. Wenn eine bauaufsichtliche Zulassung vorhanden ist, muss der Bau der Anlage nach den dort vorgegebenen Regeln erfolgen. Bei den meisten Anlagen durchströmt das Abwasser den Filter vertikal. Bei der Abwasserreinigung sind Mikroorganismen beteiligt, die auf dem Füllmaterial einen Biofilm bilden. Die Wurzeln des Bewuchses sorgen für eine Belüftung des Bodenkörpers.

Systemmerkmale:
Nicht zugelassene Anlagen müssen nach den Vorgaben des Arbeitsblatts DWA-A 262 Ausgabe März 2006 gebaut und betrieben werden. Nachfolgend die wichtigsten Vorgaben:

Die heute übliche Form der bewachsenen Bodenfilter besteht aus einem Folienbecken mit einer Oberfläche von mindestens 4m2/Einwohner und einer Mindesttiefe von 90 cm. Als Bepflanzung werden entsprechende Schilfsorten empfohlen. Das zu reinigende Abwasser wird meist mittels Pumpen über gelochte Rohre auf die Oberfläche aufgebracht. Einige Hersteller verlegen diese Rohre auch unter der Beetoberfläche. Das Abwasser, welches möglichst gleichmäßig auf die Filteroberfläche aufgebracht werden soll, sickert durch eine 50 cm dicke Schicht aus gewaschenem Kies mit einer vorgeschriebenen Korn-zusammensetzung.

Der vorgeschaltete Vorklärbehälter wird meist als Dreikammergrube ausgeführt. Der Grubeninhalt richtet sich nach der Anlagengröße und liegt zwischen 500 und 1.500 l pro Einwohner. Der geforderte Grubeninhalt ist größer als bei technischen Anlagen. Über einen Pumpenschacht werden die gelochten Rohre schwallweise beschickt. Die im unteren Bereich des Filters verlegten Drainagerohre sammeln das nun gereinigte Wasser zur Ableitung.

Die Ableitung im abfallenden Gelände kann mit freiem Gefälle erfolgen; andernfalls muss meist über eine Pumpe in einem separaten Schacht das Wasser abgeleitet werden.

Besonders zu beachten:
Bei der Bauausführung sollten Sie besonders darauf achten, dass die Foliendicke mindestens 1 mm betragen muss. Die Beachtung der vorgeschlagenen Kornzusammen-setzung des Filtermaterials ist entscheidend für die Funktion und die Lebensdauer der Anlage. Die gelochten Rohre im oberen Bereich müssen nach jeder Beschickung vollständig leer laufen, damit es im Winter nicht zu Frostschäden kommt. Um die Gefahr eines Rückstaus im Zulaufkanal zu erkennen, ist eine akustische Alarmmeldung beim

Pumpenausfall erforderlich. Von besonderer Bedeutung ist der Rückhalt von Grobstoffen aus der Vorklärung, damit es nicht zu Störungen der Beschickungspumpe kommt und das Filtermaterial nicht verschlammt.

Werden die Beschickungsrohre offen auf der Oberfläche verlegt, kann es zu Geruchs-belästigungen kommen. Falls die Anlage nicht mehr benötigt wird oder das Filtermaterial ausgetauscht werden muss, ist für eine ordnungsgemäße Entsorgung eine Untersuchung auf Schadstoffe erforderlich.

Kontrollen:
Die Anlage muss mindestens 1 x pro Jahr von einer Fachfirma gewartet werden. In den Sommermonaten kann es zum Absterben der Bepflanzung kommen, wenn der Bodenfilter längere Zeit nicht beschickt wird. Im Spätherbst ist das Schilf abzuschneiden, damit sich die Vegetation im nächsten Frühjahr wieder gut entwickeln kann.